Orientalischer Tanz

Der Orientalische Tanz ist ein Isolationstanz, bei dem die einzelnen Körperteile bzw. -zentren isoliert, also einzeln und unabhängig voneinander bewegt werden, um schließlich gemeinsam eine Einheit zu bilden.

Wie ein Fluss - aus einzelnen Tropfen bestehend - als ein harmonisches Ganzes fließt und seine Kraft immerwährend aus der Quelle schöpft, so ist die Quelle des Bauchtanzes die Mitte. Die Kraft für die Bewegungen holt sich die Tänzerin aus dem unteren Teil des Körpers, dem Zentrum ihres Gleichgewichts. Der ganze Körper schwingt um diese Lebensmitte.

Fawzia Al-Rawi wurde schon als Kind von ihrer Großmutter in die Traditionen der orientalischen Kultur eingeführt und dabei mit dem Bauchtanz als wichtigem Ausdruckselement der weiblichen Welt vertraut gemacht. Seit über 20 Jahren lehrt sie nun schon andere Frauen, die kreisenden, schwingenden und wellenartigen Bewegungen zu kosten und einzuüben und sich durch die Bewegung des Rumpfes, des Bauches, der Hüften und des Beckens intensiv mit der eigenen Lebenskraft zu verbinden. Begleitet werden das praktische Tun und das Tanzen dabei von ausführlichen Erklärungen zu den Wirkungen der einzelnen Bewegungen, die Fawzia Al-Rawi vor dem Hintergrund ihres fundierten theoretischen Wissens zu geben vermag.

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Viele Bewegungen des Bauchtanzes kommen aus den Gelenken des Körpers, sie sind wellenartig und kreisend, der Rumpf wird durch sie sanft geknetet und massiert. Durch die Bewegung des Rumpfes, des Bauches, der Hüften und des Beckens kommt eine Frau intensiv mit ihrer Lebenskraft und ihren Lebenszentren in Kontakt. Die Gesetze des Rhythmus geben der Frau die Möglichkeit, sich selbst zu erforschen, sich kennen und verstehen zu lernen und somit einen Heilungsprozess zu erleben.

Die Gesetze des Rhythmus zu erforschen bedeutet, sich mit seiner Gesundheit auseinander zu setzen. Gesundheit ist mehr als nur ein Leben ohne Krankheit. Gesundheit ist Harmonie auf allen drei Ebenen: Körper, Seele und Geist (Verstand). Krankheit ist also immer eine Störung der Gesamtpersönlichkeit. Ein Aufruf oder eine lebendige Frage an uns selbst: „Was habe ich in meinem Sein übersehen?“ „Was habe ich vergessen, in mein Leben zu integrieren?“

Der Verlust des symbolischen Bewusstseins

Mit dem Aufkommen des Rationalismus wurde das symbolische Bewusstsein allmählich verbannt und die Beziehung zu unserem inneren Erbe ging verloren. Die Zeit wurde mehr zu einer Abfolge von Stunden und Tagen als ein Teil des großen Kreislaufs, in dem die Jahreszeiten den Sternen folgen.

Es gibt viele Aspekte des Lebens, die nur symbolisch verstanden werden können, so zum Beispiel die Übergänge zwischen den Lebensabschnitten, die „Sieben Alter des Menschen“. Ohne ein symbolisches Verständnis sind wir vorrangig mit den physischen Auswirkungen des Alterns konfrontiert und haben keinen Zugang zu einem vertiefenden Gewahrsein unserer eigenen Natur, die durch diese verschiedenen Initiationen ins Leben kommt.

Wir bleiben in einer materialistischen Welt stecken, die unsere tiefere Natur nicht reflektiert. Symbolische Bedeutungen und Symbole werden folglich im äußeren Leben gesucht, wo dann zum Beispiel Autos oder Kleidung glorifiziert werden. Wir arbeiten härter und härter, doch etwas Wesentliches fehlt und man fühlt eine Armut, ohne sie jedoch benennen zu können.

Die Entfremdung von der symbolischen Welt hat viele Probleme verursacht, besonders für Frauen. Die Natur des Weiblichen ist mehr in Einklang mit der Natur und der symbolischen Welt und mehr als das Männliche braucht sie es, vom Symbolischen genährt zu werden, von den Gesetzen des Rhythmus.

Symbole und Rituale gehören zum Leben und entwickeln sich aus einer Interaktion mit der inneren Welt. Sie sind ein Geschenk des Göttlichen. Symbolisches Bewusstsein gehört zur rechten Seite des Gehirns und ist holistisch im Unterschied zur linken Seite, die analytisch arbeitet. Die linke Seite wird mit Logik und dem Denken in Worten gleichgesetzt und entwickelt sich mit dem Erlernen der Sprache. Sie ist prinzipiell auf die äußere Welt gerichtet. Die rechte Hemisphäre ist mehr auf die innere Welt gerichtet. Sie denkt eher in Bildern als in Worten und ist überwiegend aufnehmend, sie beobachtet die Veränderungen und Entwicklungen und berücksichtigt die Ganzheit.

Doch in der materiellen Welt wurde das symbolische Bewusstsein durch die sich ausbreitende Vorherrschaft analytischen, gerichteten Denkens verdrängt. Das symbolische Denken wurde abgewertet, für die Mehrheit existiert es unentdeckt im Unbewussten und drückt sich nur in Träumen, Phantasien und vagen Gefühlen aus.

Der Orientalische Tanz als Türöffner zur symbolischen Welt

Wenn wir mit unserer tiefsten Natur in Harmonie leben wollen, sollten wir diese ganzheitliche Denkweise zurückgewinnen. Durch diesen wellenförmigen und kreisenden Tanz anerkennen wir diese vergessene Sprache, diese Bewusstseinsqualität aufs Neue. Es ist ein Frauentanz, der an der Schwelle zwischen der inneren und der äußeren Welt stattfindet und beides verbindet. Er öffnet die Tür für eine symbolische Beziehung zum Leben und zu unserer tieferen Natur. Er erlaubt den Zugang zu inneren Figuren der Weisheit und Kraft, von denen wir etwas über die Weisheit unserer Seele lernen können.

Die Wichtigkeit der weiblichen Qualität der Empfänglichkeit wurde in unserer männlichen Welt vergessen. Die Bewegungen dieses Tanzes können uns helfen, die weibliche Kunst des Zuhörens, die schöpferische Qualität der Empfänglichkeit zurückzugewinnen, und können uns eine Tür in die symbolische Realität der Seele öffnen. Unser männliches Denken muss im Dienst der weiblichen, inneren Welt und ihrer symbolischen Ausdrucksweise stehen. Wir können es unserem rationalen Verstand nicht erlauben, den patriarchalen Mustern zu folgen, das Wissen und die Weisheit des Weiblichen anzugreifen oder abzustreiten. Es geht darum die Ausgewogenheit zwischen männlichem und weiblichem Bewusstsein wiederherzustellen und beiden Teilen zu erlauben, zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise wird eine Vereinigung von Männlichem und Weiblichem, von analytischem und symbolischem Bewusstsein zustande gebracht, durch die ein tieferes und reicheres Verständnis unserer wahren Natur ein Teil unseres Bewusstseins werden kann. Wir können schätzen lernen, wie wir Teil eines zusammenhängenden Ganzen sind, in dem unser inneres Selbst uns nährt und führt.

Diese Haltung ist sehr verschieden von der, die in der äußeren Welt gefordert wird, die von uns verlangt, dass wir von einem Ort des Wissens und Verstehens aus handeln. Dieser Tanz und seine in ihm verborgene Philosophie und Kraft kann helfen, den Teil in uns zu erwecken, der ohne vorgefasste Meinung antworten kann.

Text von Fawzia Al-Rawi

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Anmeldung

office [at] haus-des-friedens.at 

+ 43 6991 403 17 07 
(freitags 8.30 - 10.00)

Dienstagabende

Keine Anmeldung erforderlich
€ 20/Abend,
Dreierblock ermäßigt € 55,
Viererblock ermäßigt € 70

Orientalischer Tanz und Meditation

Sonntag, 13.10.2018, von 11–18 Uhr
(Anmeldung bis 6.10.2018)
€ 150,- (Mittagessen im Haus möglich)

Termine

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